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Unser Gebäudekomplex in der Böhmischen und Thiemannstraße in Nordneukölln wurde an die dänische Pensionskasse PFA verkauft. Diese erwarb das „Century-Portfolio“, das auch unsere 140 Wohungen enthält, für ein Brutto-Investmentvolumen von mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Die PFA ist mit einem Anlagevolumen von 80 Milliarden Euro die größte gewerbliche Pensionskasse Dänemarks und die fünftgrößte Europas.

Sie ist kein unbeschriebenes Blatt: So fiel sie bereits in den 90er Jahren durch einen Skandal über gefälschte Unterlagen auf, mit denen umfangreiche Kredite eingeholt werden sollten. Weiterhin bestehen Verbindungen zur australischen Investment-Bank Macquarie, die momentan in einen europaweiten Steuerhinterziehungs-Skandal verwickelt sein soll, wie auf der Website der European Pensions berichtet wird.

Die Verkäuferin ist der Immobilien-Fonds INDUSTRIA WOHNEN mit Sitz in Frankfurt am Main, ein Tochterunternehmen der Degussa-Bank.

Co-Investor und exklusiver Asset- und Portfoliomanager für PFA in Deutschland ist künftig die Münchener Domicil Real Estate Group.

Die dänische Pensionskasse PFA war bisher nur am Gewerbeimmobilienmarkt aktiv, für sie ist es das erste Wohnimmobilieninvestment in Deutschland. Sie verfolgt einen Strategiewechsel, nämlich den gegenüber Staatsanleihen etwa dreifach gewinnbringenderen Immobilienanteil in ihrem Portfolio bis 2022 deutlich auszuweiten, insbesondere auf Standorte außerhalb Dänemarks. Denn die dänische Immobilienwirtschaft ist, im Gegensatz zum liberalen deutschen Immobilienmarkt, deutlich strenger reguliert.

Das Century-Portfolio umfasst 33 Wohnobjekte mit insgesamt mehr als 3.700 Wohneinheiten sowie ein Gewerbeobjekt an 15 Standorten in Deutschland. Zwei Drittel der Wohnungen liegen in Metropolregionen wie Berlin, München, Hamburg, dem Rheinland und der Region Rhein-Neckar. Die Gesamtmietfläche beträgt 247.278 qm, davon 228.154 qm Wohnfläche – in überwiegend guten bis sehr guten Wohnlagen in begehrten Wohnumfeldern. Mehr als die Hälfte der Mieterträge wird in München und Berlin erzielt. Zudem bietet das Portfolio mehr als 40.000 qm Nachverdichtungs- und Entwicklungspotenzial, zum Beispiel durch Dachaufstockungen und Ergänzungsbauten.

Ein bitterer Beigeschmack: Michael Bruhn, der Direktor der PFA Ejendomme, nennt dieses Portfolio eine „anleiheähnliche Anlage“. Er unterscheidet also nicht zwischen einer Staatsanleihe und einer von Menschen bewohnten Wohnanlage – wir sind für ihn nicht mehr als ein Investitions-Produkt.

In Berlin ist die PFA auf große Einkaufstour gegangen: Rund 400 Wohnungen in ausgezeichneten Milieuschutzgebieten wollten sie sich einverleiben. Das sind neben unserer Hausgemeinschaft außerdem:

  • Prenzlauer Berg
    • Bernhard-Lichtenberg-Straße 9
  • Wedding
    • Seestraße 51 – 55
    • Turiner Straße 51
  • Tempelhof-Schöneberg
    • Gleditschstraße 49 – 69

Das Vorkaufsrecht wurde für uns und die See- sowie Turiner Straße ausgeübt. 265 Wohnungen wurden so der PFA entzogen. Für die Gleditschstr. wurde eine Abwendungserklärung geschlossen. Aus der Bernhard-Lichtenberg-Str. ist uns aktuell nichts bekannt.

Allerdings wissen wir von 10 weiteren Hauskomplexen in Berlin, die nicht in Milieuschutzgebieten liegen und an die PFA verkauft wurden. Sie hatten nie die Chance auf Prüfung oder Ausübung des städtischen Vorkaufsrechts.

Aufgrund des Verkaufs kommen auf die Mieter*innen der betroffenen Wohnungen ungemütliche Zeiten zu, denn PFA setzt auf „Nachholpotenziale“ – das bedeutet im Klartext: starke Mieterhöhungen, vor allem bei Neuvermietungen und ev. Umwandlung in Eigentum.